Kiviõli – Ölschiefer-Stadt 
Ein Fotoprojekt in Estland von 2014 bis 2017

Das Fotoprojekt „Kiviõli" widmet sich der gleichnamigen Stadt im Landkreis Ida-Viru und der Entwicklung ihrer Ölschieferindustrie. Es umfasst zudem Portraits der Grossmutter und der Mutter der Autorin sowie ihres Hauses direkt neben dem Industriegebiet.

Der Landkreis Ida-Viru steht selten auf dem Radar der Touristen – und für viele Esten entspricht er nicht dem Estland, von dem sie gerne erzählen. Das Leben hier scheint irgendwo in der Sowjetzeit stehen geblieben zu sein: verfallene Gebäude, leere Parks, Aschehalden, mit Wasser gefüllte Steinbrüche. Der gesamte Landkreis ist seit langem von der Ölschieferindustrie als wichtigstem Arbeitgeber abhängig, und Estland selbst deckte jahrzehntelang den Grossteil seines Energiebedarfs mit Ölschiefer – zu hohen Kosten für die Umwelt. Die Ölschiefergewinnung ist die mit Abstand grösste Quelle für Treibhausgase, Sondermüll und Wasserverbrauch im Land.

Das Ölschieferwerk in Kiviõli gehörte zu den ersten in Estland. Ab den 1920er Jahren wichen Wälder und Wiesen Fabriken, Bergwerken und Arbeiterwohnungen. Die Menschen kamen aus ganz Estland und später auch aus anderen Sowjetrepubliken. Auf ihrem Höhepunkt in den 1970er Jahren zählte die Stadt rund 11.000 Einwohner. Seit der Unabhängigkeit hat sich die Einwohnerzahl halbiert und die Bevölkerung altert weiter. Heute spricht etwa die Hälfte Estnisch, die andere Hälfte Russisch. Die Ölschieferindustrie ist nach wie vor der grösste Arbeitgeber – dennoch gehört die Arbeitslosigkeit hier zu den höchsten in Estland.

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